Mai 2022 Gelber Enzian

GELBER ENZIAN

Gentiana lutea L. und Unterarten

Obwohl die prächtigen, dunkelblauen Enzian-Arten (Alpen-Enzian, Clusius‘ Enzian oder Kochscher Enzian) in den Alpen für viele Pflanzenfreunde der Inbegriff des Enzians sind und auf Schnäpsen und Lebensmitteln abgebildet werden, ist der Gelbe Enzian die Leitpflanze in der Verwendung der Enzianarten als Heilpflanze. Neben dem Gelben Enzian finden wir noch fast 40 Enzianarten in den Alpen, weltweit sind es rund 400 Arten.

Die Enzianarten mit ihren Bitterstoffen waren nicht nur in Arzneien beliebt; sie sind und waren auch Bestandteil verschiedener Kräuterliköre und Schnäpse, die vor oder nach dem Essen – als Aperitif oder als Digestiv – gereicht werden. Daher kam es auch zu einer Gefährdung verschiedener Enzianarten; mit dem Gelben Enzian waren der Getüpfelte Enzian, der Purpur-Enzian, der Pannonische oder Ostalpen-Enzian und der Schwalbenwurz-Enzian in den Arzneibüchern. Der hohe Bedarf machte es notwendig, diese Pflanzen unter Schutz zu stellen. Seitdem es aber gelungen ist, den Gelben Enzian im Feldanbau zu kultivieren und die „Ernte“ in der Natur zu reglementieren, ist es zur Erholung der natürlichen Bestände in den Alpen und den anderen Standorten in Europa gekommen.

MEDIZINISCHE ANWENDUNG

In drei Bereichen haben sich Extrakte aus Enzianwurzeln gut bewährt. Zunächst wirken die Bitterstoffe in passender Konzentration gut bei Appetitlosigkeit. Daher findet man die Enzianwurzel auch in verschiedenen flüssigen Stärkungsmitteln. Weiters eignen sich Extrakte zur Behandlung von dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit oder Druck und Schmerzen im Oberbauch. Darüber hinaus sind Enzianwurzelextrakte in einem kombinierten Arzneimittel mit Eisenkraut, Schlüsselblume, Holunder und Sauerampfer zur Verbesserung der Sekretolyse und zum Verdünnen von zähem Schleim bei Infektionen im Nasen-, Nebenhöhlen- und Rachenraum.

ENZIANSCHNAPS

Das Brennen von Enzianschnäpsen war ursprünglich ein Privileg der Klöster. Seit einigen Jahrhunderten wird Enzianschnaps von Betrieben mit Brenngenehmigung erzeugt. Der hohe Bedarf an Wurzeln kann nicht durch Wildsammlung allein abgedeckt werden, daher hat der feldmäßige Anbau zu einer Erholung der Vorkommen in der Natur geführt. Die doppelt gebrannten Schnäpse schmecken kaum bitter.

Der Bedarf an Enzianwurzeln zur Herstellung von Arzneimitteln und Schnäpsen beträgt 6000 t frische Wurzeln pro Jahr.

TEE-HERSTELLUNG:

2 – 4 g der getrockneten Enzianwurzel werden mit kochendem Wasser übergossen, man lässt 5 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt den Tee mäßig warm.

Der Tee kann auch als Kaltauszug (Mazerat) hergestellt werden; dafür wird obige Menge mit kaltem Wasser übergossen, man lässt 8 – 10 Stunden ziehen, erwärmt kurz und seiht ab.

Zur Appetitanregung wird der Tee eine halbe Stunde vor dem Essen getrunken, zur Verbesserung der Verdauung nach dem Essen.

ZUSAMMENFASSUNG

Der Gelbe Enzian gehört zu den in der Natur geschützten Pflanzen. Er wird auch feldmäßig angebaut.

Extrakte aus den Wurzeln werden bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden und in pflanzlichen und homöopathischen Arzneimitteln zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und deren Symptomen verwendet.

Das Amarogentin ist der intensivste Bitterstoff mit einem Bitterwert von 58 Millionen.

Neben der arzneilichen Anwendung ist der Enzianschnaps ein seit vielen Jahrhunderten beliebtes Produkt aus dem Gelben Enzian.

April 2022 Gelbwurz

GELBWURZ ODER CURCUMA

Curcuma domestica Val. (Syn. Curcuma longa L.)

Die Kurzcharakteristik der Heilpflanze könnte lauten: Tradition trifft Zukunftsperspektiven oder Zukunftspotenzial.

Es kommt nicht so oft vor, dass eine Heilpflanze seit Jahrtausenden hohes Ansehen genießt und trotzdem hohe Erwartungen in deren Zukunft gesetzt werden. Sollten sich die derzeit vorliegenden Forschungsergebnisse bei der Anwendung am Menschen bewahrheiten, dürfen wir Curcuma-Extrakte bei der Behandlung weiterer Krankheiten erwarten.

Wenn es um Curcuma geht, sind auf jeden Fall zwei Pflanzenarten im Spiel, die in ihrer Heimat seit Jahrtausenden wertvolle Heilpflanzen sind, aber auch als Gewürz eine Spitzenposition halten. Mit der oben genannten Gelbwurz, deren heutiges Hauptanbaugebiet in Indien liegt, rittert die Javanische Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza oder zanthorrhiza ROXB.) aus Indonesien um die Gunst der Anwender. Bisher galten beide Arten – trotz einiger Unterschiede – als etwa gleichwertig.

Eine weitere Besonderheit bei diesen Heilpflanzen liegt darin, dass das Potenzial ihrer Wirkungen noch nicht ausgeschöpft ist. Wurden diese Heilpflanzen aus der Tradition der Verwendung als Gewürz vorwiegend in der Therapie von Verdauungsproblemen – besonders bei Problemen der Gallenfunktion – eingesetzt, eröffnet die Forschungsarbeit der letzten Jahre ganz neue Einsatzmöglichkeiten.

Einen wesentlichen Fortschritt dabei brachte die deutliche Verbesserung der Aufnahme der wirksamen Inhaltstoffe durch den menschlichen Körper. Durch die schlechte Wasserlöslichkeit der Curcuminoide wird bei einer Teezubereitung nur ein verschwindend kleiner Teil der wertvollsten Wirkstoffe dem Körper zugeführt. Durch modernste Arzneiformen konnte dieses Manko überwunden werden und es ist nun möglich die Wirkstoffe in vernünftigen Mengen zu dosieren; besonders wichtig dabei ist, dass durch die spezielle Galenik der Arzneimittel jene Serumspiegel erreicht werden, die für das Erreichen der Wirkungen in neuen Indikationen notwendig sind.

MEDIZINISCHE ANWENDUNG

Bisher kam die Gelbwurz vorwiegend bei den dyspeptischen Beschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen zur Anwendung, wenn eine verringerte Magensaftsekretion, eine gestörte Gallenfunktion (reduzierte Gallebildung und Galleausscheidung) oder eine unzureichende Fettverdauung im Vordergrund stehen. An dieser Wirkung sind sowohl die Curcuminoide als auch das ätherische Öl beteiligt.

Gegenanzeigen: Bei Gallensteinleiden und Verschluss der Gallenwege.

Blick in die Zukunft: Durch den höheren Anteil an Curcuminoiden und die günstigere Zusammensetzung des ätherischen Öls in C. longa wird diese Art als etwas wirksamer eingestuft als die Javanische Gelbwurz (C. zanthorrhiza ROXB.)

Ermutigende Ergebnisse in verschiedenen Studien lassen erwarten, dass gerade Erkrankungen mit entzündlichen Prozessen zur Behandlung mit Curcuma-Extrakten, die durch eine verbesserte Aufnahme durch den Körper auch ausreichende Serumspiegel erwarten lassen, einige Krankheitsbilder erfolgreich behandelt werden können.

Die hohe entzündungshemmende Kraft und gute Verträglichkeit des Curcumins soll deutliche Verbesserungen bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bringen, die schmerzhaften Entzündungen bei Arthrose und rheumatoider Arthritis mildern. Bei der Behandlung von Krebspatienten konnte sowohl der Zustand der Haut durch Strahlungsbelastung als auch die Nebenwirkungen bei Chemotherapien verbessert werden.

Hohe Erwartungen setzt man auch in die Behandlung von Diabetes Typ 2 Patienten in der Vorbeugung und auch bei Folgeerkrankungen im Bereich der Durchblutungsstörungen.

Indien hat den höchsten Curcumakonsum (330.000 t/Jahr) und eine auffallend niedrigere Rate an Alzheimer-Erkrankungen; daher erhofft man sich auch in dieser Richtung positive Aussichten für die Zukunft.

Ayurveda-Medizin: Da die Bedeutung der Gelbwurzel in der Ayurveda-Medizin hoch ist, wird sie in dementsprechend großen Mengen in Indien angebaut. Curcuma senkt alle drei Doshas; sie hilft bei Entzündungen von Augen und Ohren und schärft auch den Geruchssinn. Im Verdauungstrakt schätzt man ihre antiseptischen, karminativen, abführenden und appetitanregenden Wirkungen. Ein wesentlicher Einsatzbereich liegt im Bereich von Hautproblemen wie z.B. bei Juckreiz, Nesselsucht, Ekzemen, Gürtelrose, Allergien, Prellungen und verschiedenen Formen von Entzündungen im Körper. In der Therapie des Diabetes spielt Curcuma auch eine wesentliche Rolle.

In der indischen Ernährung gehört die Gelbwurz (Curry) zu jedem Essen und auch zu jeder religiösen Zeremonie in den Tempeln und zu Hause.

Curcuma in der Küche: Der getrocknete Wurzelstock ist als Pulver ein hervorragendes Gewürz und auch wichtiger Bestandteil in Curry-Mischungen. Der Geschmack wird als scharf bis brennend scharf, würzig und bitter beschrieben. Das Aroma entfaltet sich in vollem Umfang erst durch die Hitze beim Kochen.

ZUSAMMENFASSUNG

Die Gelbwurz hat ihre Heimat zwischen Indien und Indonesien; sie wird heute als Gewürz- und Heilpflanze in den feuchtwarmen Zonen Asiens kultiviert. Ihre Heilwirkung wird bereits im Sanskrit beschrieben. Auch heute schätzt man ihre Heilkraft und sie zählt zu den gut wirksamen verdauungsfördernden Mitteln.

Ätherisches Öl und die Curcuminoide führen zu einer verbesserten Verdauungs-Funktion bei dyspeptischen Beschwerden. Mit den antioxidativen, entzündungshemmenden und weiteren positiven Eigenschaften erwartet man sich durch Resorptionsverbesserungen den Einsatz bei Entzündungen im Darm, bei Arthrosen, Diabetes, zur Unterstützung bei Krebstherapien und bei Alzheimer Demenz.

März 2022 Kalmus

KALMUS

Acorus calamus L.

Wegen seines aromatischen Duftes hat der Kalmus Namen wie Gewürzkalmus, Deutscher Zitwer oder Deutscher Ingwer erhalten; eine der volkstümlichen Bezeichnungen in Niederbayern war „Schmeckats“ für das „wohlriechende Rohr“ der aromatischen Rhizome.

Auch in Österreich gibt es feuchte Gebiete als Standorte mit großen Mengen an Kalmus. Er wächst in den feuchten Randzonen zu Seen bis hinein ins flache Wasser. Man kann den Kalmus auf der gesamten nördlichen Halbkugel in gemäßigten Zonen finden.

Im Wesentlichen unterscheidet man heute den Kalmus nach dem Verbreitungsgebiet oder nach dem Ploidiegrad. Die drei Gruppen sind diploid, triploid und tetraploid.

Erstere ist die in Amerika heimische Gruppe, die frei von ß–Asaron (=cis–Isoasaron) ist. Die sterile triploide Form Europas hat einen geringeren Anteil an ß–Asaron im ätherischen Öl als die tetraploide Gruppe im asiatischen Raum (vorwiegend Indien) mit bis zu über 80 % Anteil an ß–Asaron im ätherischen Öl.

ANWENDUNG IN DER HAUSAPOTHEKE

Der hohe Gehalt an ätherischem Öl (zwischen 2 und 9 %) bestimmt die Wirkung und Anwendung des Kalmuswurzelstocks. Er wird als aromatisches Bittermittel (Amarum aromaticum) eingestuft und bei Magen–Darmproblemen mit gutem Erfolg verwendet. Als Anwendungsgebiete gelten Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Blähungen. In Kombination mit anderen Drogen finden wir den Kalmus in Teemischungen gegen Magen-, Leber- und Gallenbeschwerden.

In der Volksmedizin verschiedener Länder Asiens und Europas wird und wurde der Kalmus bei verschiedensten Erkrankungen angewendet, wie etwa als Heilmittel bei Erkältungskrankheiten wie Husten und Schnupfen, bei Kopf- und Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündungen, bei rheumatischen Schmerzen, Arthritis und Darmentzündungen; auch zur Entwöhnung des Rauchens und gegen Zahnungsbeschwerden bei Kleinkindern wurde Kalmus versucht.

Äußerliche Anwendung finden Kalmusextrakte als Zusatz zu hautreizenden und durchblutungsfördernden Bädern und als Einreibungen.

Teezubereitung :

1 bis 1,5 Gramm werden mit 150 ml kochendem Wasser übergossen; man lässt 5 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt den Tee mäßig warm zu den Mahlzeiten.

Man kann den Tee auch zubereiten, indem man kaltes Wasser über die Droge gießt, bis zum Aufwallen erhitzt und nach kurzem Ziehen abseiht.

ANWENDUNG IN DER AYURVEDA–MEDIZIN

In Indien und auf Sri Lanka ist der Kalmus als Heilpflanze außerordentlich angesehen. Seine Verwendung in der Ayurveda–Medizin erstreckt sich auf mehrere Anwendungsgebiete.

• Er gilt als „hirntonisch“, als durchblutungsfördernd im Gehirn und wird auch bei Tinnitus verwendet.

• Er hilft bei verschiedenen Verdauungsproblemen wie Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden.

• Er wird bei Fieber (z.B. bei Malaria tertiana) eingesetzt – ist also antipyretisch; er ist aber auch erhitzend und erhöht so das Dosha Pitta

• Er wirkt antiallergisch.

• Er ist bittertonisch und wirkt fettreduzierend und ist damit ein Mittel bei Adipositas (Übergewicht), da er das Dosha Kapha reduziert.

Risiken und Gegenanzeigen

Für cis–Isoasaron sind mutagene, chromosomenschädigende und kanzerogene Effekte beschrieben.

Obwohl das ätherische Öl amerikanischer Kalmuspflanzen kein cis–Isoasaron enthält, ist in den USA und Kanada der Kalmus auf der Liste der verbotenen Heilpflanzen.

Auf Grund der erbgutschädigenden Wirkungen, die für cis–Isoasaron nachgewiesen wurden, sollen Kalmuszubereitungen Kindern und Schwangeren nicht gegeben werden.

Obwohl die europäische Droge ß–Asaron nur in geringen Mengen enthält, ist die Droge doch mit Vorsicht und nicht über lange Zeit anzuwenden.

Februar 2022 Bitterklee

pastedGraphic.png

BITTERKLEE ODER FIEBERKLEE

Menyanthes trifoliata

Der Fieberklee oder Bitterklee ist eine sehr schöne Heilpflanze, die man an sehr feuchten Standorten finden kann. Er ist in der Natur selten anzutreffen, ist aber dann meist in größeren Mengen vorhanden. Wegen seines relativ seltenen Vorkommens zählt er zu den geschützten heimischen Pflanzen. Der Bitterklee oder Fieberklee gehört nun zu den Fieberkleegewächsen; früher war er in der Familie der Enziangewächse eingereiht.

Bei Wanderungen im Frühling sind die auffallend schönen Blüten für den Pflanzenkundigen schon aus einiger Entfernung zu erkennen.

MEDIZINISCHE VERWENDUNG

Medizinisch anerkannt ist die Wirkung auf den Verdauungstrakt. So ist es sinnvoll, flüssige Zubereitungen – Tee oder Fluidextrakte – bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden zu geben. Dazu zählen Völlegefühl, leichte Blähungen und andere Symptome, die auch durch einen zu geringen Anteil an Magensaft verursacht werden.

Die Verwendung als Tee bei Erkrankungen mit Fieber wird von der Schulmedizin nicht anerkannt, da keine Wirkstoffe im Bitterklee sind, die auf eine fiebersenkende Wirkung schließen lassen.

TEEZUBEREITUNG

1 Teelöffel getrocknete Bitterkleeblätter werden mit ¼ Liter kaltem Wasser angesetzt, man erhitzt zum Sieden und kocht rund eine Minute; danach wird abgeseiht und der Tee mäßig warm und ungesüßt getrunken. Man kann den Tee auch über mehrere Stunden kalt ansetzen und ihn dann nur leicht erwärmt trinken; damit ist der Gehalt an Gerbstoffen reduziert.

Cave! Bei Magen- und Darmgeschwüren soll der Bitterkleetee nicht angewendet werden.

HOMÖOPATHIE UND HAUSAPOTHEKE

Menyanthes trifoliata ist auch in der Homöopathie ein Arzneimittel, das bei Nervenschmerzen, Kopfschmerzen oder zur Stärkung der Magenfunktion gegeben wird. Meist wird die Potenz D3 verwendet.

In der Volksmedizin wurde der Bitterklee häufig auch bei fieberhaften Infekten gegeben. Es hat sich aber gezeigt, dass die Pflanze keine fiebersenkenden Eigenschaften besitzt; dennoch ist es durchaus sinnvoll, Fieberklee bei Erkrankungen mit Fieber zu geben, da der appetitanregende und stärkende Effekt für den geschwächten Patienten genützt werden kann.

Als Fieber senkende Bestandteile kommen in diesen Teemischungen bei fieberhaften Erkältungskrankheiten (Weidenrinde oder Mädesüßblüten) zur Anwendung.

ZUSAMMENFASSUNG

Durch die Attraktivität seiner Blüten zählt der Bitter- oder Fieberklee zu den Heilpflanzen mit einer besonders schönen Blüte. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es sich um eine geschützte Pflanze in einem sensiblen Vegetationsbereich handelt.

Dank der Bitterstoffe ist der Bitterklee ein gutes Mittel für den Verdauungstrakt, das zur Appetitsteigerung und bei dyspeptischen Beschwerden (Völlegefühl, leichte Blähungen ua.) anerkannt ist.

Die Anwendung als Fiebermittel ist nicht gerechtfertigt, obgleich es sinnvoll sein kann, die tonisierenden Eigenschaften bei fieberhaften Infekten zu nützen.

Januar 2022 Bitterstoffe

Bitterpflanzen – altes Wissen neu entdeckt

Zahlreiche uralte Quellen wie etwa der drei Jahrtausende alte „Rigveda“ einer der vier Hauptveden des indischen Ayuveda, sowie die verschiedenen Studien von Arzt-Botanikern der Antike bis hin zu den legendären Kräuterbüchern des 15.-17 Jahrhunderts belegen, dass Hochkulturen seit mehr als 3500 Jahren auf die einzelnen bitterstoffhaltigen Kräuter ihrer heimischen Flora zurückgreifen, um wirksame Mittel zur Behandlung der unterschiedlichsten Krankheiten zur Hand zu haben.

Wie wirken Bitterstoffe und warum sind sie so wertvoll für uns?

Beim Essen von bitter schmeckenden Lebensmitteln verziehen die allermeisten Menschen das Gesicht – sie empfinden den Geschmack als unangenehm und meiden ihn deshalb. Damit ursprünglich bittere Lebensmittel dennoch marktfähig blieben, reduzierte man züchterisch den Bitterstoffgehalt vieler Gemüse. Denn Endiviensalat, Radicchio oder Chicorée schmeckten früher deutlich bitterer – enthielten also damals viel mehr Bitterstoffe.

Geschmacksverstärker und Süssstoffe in Lebensmitteln haben zusätzlich dazu beigetragen, dass sich die Geschmackswahrnehmung der Verbraucher verändert hat. Dadurch schmecken uns vorwiegend salzige und süsse Speisen, von bitteren lassen wir lieber die Finger.

Auch viele Heilpflanzen, Wurzel- und Blattgemüse, die einen hohen Anteil an Bitterstoffen enthalten, sind weitgehend von unseren Tellern und aus unseren Tassen verschwunden: Zum Beispiel der Löwenzahn, der Wegerich, die Schafgarbe und viele anderen Wildpflanzen. Ja, viele Menschen erkennen diese Pflanzen gar nicht mehr in der Natur. Das ist schade, denn auf diese Weise entgehen ihnen wichtige Schutz- und Heilstoffe. 

Die Definition von Bitterstoffen

Die Definition von Bitterstoffen ist ganz einfach: Bitterstoffe sind Stoffe, die bitter schmecken. Die einzige Gemeinsamkeit dieser Pflanzenstoffe ist ihr bitterer Geschmack. Das bedeutet, dass Bitterstoffe völlig unterschiedliche Stoffe aus unterschiedlichen Stoffgruppen sein können. Sobald ein Stoff bitter schmeckt, darf er als Bitterstoff bezeichnet werden. So gibt es beispielsweise Bitterstoffe unter den Flavonoiden, Polyphenolen, Terpenen, Peptiden, Aminosäuren und Alkaloiden 

Die Wirkungen von Bitterstoffen

Im Körper bewirken (geniessbare) Bitterstoffe sehr viel Gutes. Am besten erforscht sind die positiven Wirkungen der Bitterstoffe auf die Verdauung. In der Naturheilkunde werden Bitterstoffe schon lange zur Linderung von Verdauungsbescherden eingesetzt, ob im Ayurveda, in der traditionellen chinesischen Medizin oder auch in Europa (Enzian, Wermut, Beifuss etc.) Die wichtigsten Wirkungen von Bitterstoffen sind die folgenden:

  1. Bitterstoffe regen die Verdauung an, fördern die Bildung von Verdauungssäften und unterstützen die Gallen- und Leberfunktionen.
  2. Bitterstoffe regulieren den Appetit und helfen so beim Abnehmen.
  3. Bitterstoffe stoppen Heisshungerattacken und unterstützen so den Ausstieg aus der Zuckersucht.
  4. Bitterstoffe helfen bei der Entgiftung.
  5. Bitterstoffe tragen zur Entsäuerung bei.
  6. Bitterstoffe helfen dabei, Candida zu bekämpfen und die Darmflora zu regulieren.
  7. Bitterstoffe tragen zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels bei.
  8. Bitterstoffe können u. U. die Symptome einer Histaminintoleranz verbessern.

Bitterstoffe können daher eine wichtige Komponente eines jeden ganzheitlichen Therapie- und Präventionsprogrammes sein. 

Bitterstoffe regen die Verdauung an

Bitterstoffe fangen bereits im Mund an zu wirken: Beim Kauen reizen die im Essen enthaltenen Bitterstoffe die Nerven auf der Zunge. Dadurch wird die Produktion von Speichel angeregt. Die Enzyme im Speichel beginnen nun das Essen zu zerlegen – verdauen es also schon einmal vor.

Der Magen wiederum beginnt bereits mit der Produktion von Magensaft. Sobald das zerkaute Essen im Magen angelangt ist, kann dieser sofort mit der Verdauung loslegen. Enthält das Essen dagegen kaum Bitterstoffe, dauert die Verdauung länger.

Der bittere Geschmack stimuliert aber nicht nur den Magen, sondern auch die Leber, die Gallenblase, die Bauchspeicheldrüse und den Darm, welche daraufhin mit der Sekretion von Verdauungssäften und Verdauungsenzymen beginnen. Die Leber zum Beispiel wird so beim Entgiften unterstützt.

Aus diesem Grund können Bitterstoffe bei vielen Beschwerden wie Blähungen, Magensäuremangel, Verstopfung, Völlegefühl, aber auch Reizdarm, Gastritis und sogar bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen helfen.

Wie werden Bitterstoffe eingenommen?

Bitterstoffe gibt es auch in Form von Tropfen, Pulver, Säften und Kapseln zu kaufen. Eine qualitativ hochwertige Bitterstoff-Nahrungsergänzung beinhaltet in der Regel verschiedene Arten bitterstoffhaltiger Pflanzen, zum Beispiel Enzian, Tausendgüldenkraut, Schafgarbe, Löwenzahn usw.

Bis vor wenigen Jahren war man noch der Meinung, man müsse Bitterstoffe in jedem Fall so einnehmen, dass sie direkt im Mund wirken können. Von Kapseln wurde abgeraten. Inzwischen aber weiss man, dass Bitterstoff-Rezeptoren nicht nur im Mund, sondern im ganzen Körper vorkommen, also auch im Magen, im Darm, ja sogar im Gehirn, in der Lunge und in der Haut. Bitterstoffe können somit auch in Kapselform eingenommen werden, was besonders für jene Menschen wichtig ist, die sich so gar nicht mit dem bitteren Geschmack anfreunden können. Heisshungerattacken aber verschwinden schneller, wenn man die Bitterstoffe im Mund wirken lässt.

Interessant ist ausserdem, dass es 25 Geschmacksrezeptoren für bittere Geschmäcker gibt, während es für süsse Geschmäcker nur 3 gibt. Einerseits ist dies vermutlich auf den oben beschriebenen Warneffekt zurückzuführen, damit Giftpflanzen schnell erkannt werden.